Ein Beitrag von Jürgen Wolf.

Als Fortsetzung werden in dieser Ausgabe Fälle aus dem 2. Halbjahr 2018 analysiert.
Bei 103 sogenannten „Beziehungstaten“ sind 63 Tote und 94 Verletzte zu beklagen. Es entstand ein erheblicher, auf mindestens 250.000.- € bezifferter Sachschaden.

In 98 Fällen wurden Menschen getötet oder verletzt. In mindestens 6 Fällen waren Behörden bereits im Vorfeld involviert. Bei in etwa der Hälfte der Fälle wird berichtet, dass diese Beziehungen durch teilweise lang anhaltende Streitigkeiten, Eifersucht, eine Trennung, den bevorstehenden oder bereits erfolgten Auszug eines Partners erheblich belastet waren. Das darf auch für weitere Fälle angenommen werden, selbst wenn in der Recherche keine konkreten Belege gefunden wurden.
 
 
Eine Vergleichszahl für das 2. Halbjahr 2018 aus dem Spektrum des Terrorismus/Extremismus:
In diesem Zeitraum gab es in Deutschland einen Anschlag auf einen ICE auf der Strecke Nürnberg – München, bei dem niemand verletzt oder getötet wurde. Die Gefahr, in Deutschland Opfer einer Beziehungstat zu werden, ist auch in diesem Beobachtungszeitraum ungleich größer.
 
 
Eine detaillierte Betrachtung der Fälle im gesamten bisherigen Beobachtungszeitraum (01.07.2016 – 31.12.2018) zeigt, dass die insgesamt 401 Fälle in folgendem Umfeld stattfanden:

  • 337 Familie
  • 36 Nachbarschaft / Mietverhältnis
  • 18 Beruf / Geschäft
  • 10 Schule

Davon wurden 214 Taten von Männern gegen Frauen begangen und 32 Taten von Frauen gegen Männer.
 
 
Folgende Mittel wurden nachweislich zur Tatbegehung eingesetzt:

  • in 200 Fällen: Messer / Degen / Axt
  • in 37 Fällen: Schusswaffen
  • in 25 Fällen: Werkzeuge wie Hammer / Brechstange, Baseballschläger
  • in 54 Fällen: Reine körperliche Gewalt
  • in 18 Fällen: Säuren / Benzin / Gas / Wasser
  • in 5 Fällen: Auto als Waffe
  • in 6 Fällen: Medikamente / Gift / Drogen
  • in 5 Fällen: Brandstiftung

 
Schlussfolgerung:
Zusätzlich zu den Folgerungen in der letzten Ausgabe zeigt sich, dass sich die meisten Beziehungstaten im häuslich privaten Umfeld ereignen. Hier wiederum stehen Taten von Männern gegen Frauen klar im Vordergrund. Als Tatwaffe wird in der Hälfte der Fälle ein Messer oder ähnliches (Degen, Schere, Axt, Schraubendreher) eingesetzt. Schusswaffen nehmen mit weniger als 10% einen eher geringen Teil ein. Das ist sicherlich eine wichtige Information bei der Fallanalyse durch Bedrohungsmanagement-Experten. Wie prognostiziert haben sich diese Zahlen auch in dieser Aus-wertung weiter verfestigt.

Es wäre wünschenswert, dass das Thema Bedrohungsmanagement und die damit verbundenen Möglichkeiten, schwere Gewalttaten zu verhindern, mehr in den öffentlichen Focus gerückt wird.
 
 
Datenmaterial:
Beobachtungszeitraum: 2. Halbjahr 2018 (Entscheidend ist das Tat-Datum)
 
 
Relevante Fälle:

  • Es wurden Fälle betrachtet, in denen die handelnden Personen in einer Beziehung zueinanderstanden. (z.B. familiär, partnerschaftlich, geschäftlich).
  • Fälle von Gewalt gegen Polizei oder Ordnungskräfte wurden nicht betrachtet, wenn die Gewalt sich nicht gegen die Personen, sondern gegen die Funktion richtete.
  • Fälle, die ausschließlich durch Bereicherungsabsichten oder von Substanzmissbrauch motiviert waren wurden ebenfalls nicht betrachtet.

Anzahl relevanter Taten im Beobachtungszeitraum: 103

Die Auswertung betrachtet gezeigtes Verhalten im Vorfeld, das Anlass zur Sorge gibt, z. B. substanzielle Drohungen, Aussagen über die Dauer der Belastung in einer Beziehung und die Frage, ob bereits Dritte (Angehörige, Behörden, …) informiert waren.
 
 


Quellen:
1) Polizeiberichte aus den Bundesländern auf der Startseite t-online.de, ausschließlich nationale Fälle
2) Wikipedia – Liste von Terroranschlägen