Ein Beitrag von Jürgen Wolf.

Als Fortsetzung werden in dieser Ausgabe Fälle aus dem 2. Halbjahr 2017 analysiert.
Bei 94 sogenannten „Beziehungstaten“ sind 62 Tote und 55 Verletzte zu beklagen. Es entstand ein Sachschaden von mindestens 85 TSD €. In mehr als der Hälfte aller Fälle wurden Menschen getötet oder verletzt. In mindestens 7 Fällen waren Behörden bereits im Vorfeld involviert.

In mehr als der Hälfte der Fälle wird berichtet, dass diese Beziehungen durch teilweise lang anhaltende Streitigkeiten, Eifersucht, eine Trennung, den bevorstehenden oder bereits erfolgten Auszug eines Partners erheblich belastet waren. Das darf auch für weitere Fälle angenommen werden, selbst wenn in der Recherche keine konkreten Belege gefunden wurden.

Eine Vergleichszahl für das 2. Halbjahr 2017 aus dem Spektrum des Terrorismus/Extremismus:
Bei einem Messerangriff in einem Hamburger Supermarkt am 28.07.2017 wurde ein Mensch getötet und 6 Menschen verletzt.

Die Gefahr, in Deutschland Opfer einer Beziehungstat zu werden ist auch in diesem Beobachtungszeitraum ungleich größer.

Eine detaillierte Betrachtung der Fälle im gesamten bisherigen Beobachtungszeitraum (01.07.2016 – 31.12.2017) zeigt, dass die insgesamt 197 Fälle in folgendem Umfeld stattfanden:

  • 173 Familie
  • 15 Nachbarschaft / Mietverhältnis
  • 6 Beruf / Geschäft
  • 3 Schule

davon wurden 116 Taten von Männern gegen Frauen begangen und 17 Taten von Frauen gegen Männer.

Folgende Mittel wurden nachweislich zur Tatbegehung eingesetzt:

  • in 102 Fällen: Messer / Degen / Axt
  • in 14 Fällen: Schusswaffen
  • in 13 Fällen: Werkzeuge wie Hammer/Brechstange
  • in 29 Fällen: Reine körperliche Gewalt
  • in 10 Fällen: Säuren / Benzin / Gas / Wasser
  • in 3 Fällen: Auto als Waffe
  • in 3 Fällen: Medikamente / Gift / Drogen
  • in 3 Fällen: Brandstiftung

Schlussfolgerung:
Zusätzlich zu den Folgerungen in der letzten Ausgabe zeigt sich, dass die meisten Beziehungstaten im häuslich privaten Umfeld ereignen. Hier wiederum stehen Taten von Männern gegen Frauen klar im Vordergrund. Als Tatwaffe wird in mehr als der Hälfte der Fälle ein Messer eingesetzt. Schusswaffen nehmen mit ca. 7 % einen eher geringen Teil ein. Das ist sicherlich eine wichtige Information bei der Fallanalyse durch Bedrohungsmanagement-Experten. Wie prognostiziert haben sich diese Zahlen bei dieser Auswertung verfestigt.

Es wäre wünschenswert, dass das Thema Bedrohungsmanagement und die damit verbundenen Möglichkeiten mehr in den öffentlichen Focus gerückt wird. Diese Auswertung wird in den nächsten Ausgaben jeweils für einen Halbjahreszeitraum fortgeführt.

Datenmaterial:
Beobachtungszeitraum: 2. Halbjahr 2017 (Entscheidend ist das Tat-Datum)

Relevante Fälle:

  • Es wurden Fälle betrachtet, in denen die handelnden Personen in einer Beziehung zueinanderstanden. (z.B. familiär, partnerschaftlich, geschäftlich).
  • Fälle von Gewalt gegen Polizei oder Ordnungskräfte wurden nicht betrachtet, wenn die Gewalt sich nicht gegen die Personen, sondern gegen die Funktion richtete.
  • Fälle, die ausschließlich durch Bereicherungsabsichten oder von Substanzmissbrauch motiviert waren wurden ebenfalls nicht betrachtet.

Anzahl relevanter Taten im Beobachtungszeitraum: 93

Die Auswertung betrachtet gezeigtes Verhalten im Vorfeld, das Anlass zur Sorge gibt, z. B. substanzielle Drohungen, Aussagen über die Dauer der Belastung in einer Beziehung und die Frage, ob bereits Dritte (Angehörige, Behörden, …) informiert waren.


Quellen:
1) Polizeiberichte aus den Bundesländern auf der Startseite t-online.de, ausschließlich nationale Fälle
2) Wikipedia – Liste von Terroranschlägen