Ein Beitrag von Jürgen Wolf.

Als Fortsetzung werden in dieser Ausgabe Fälle aus dem 1. Halbjahr 2019 analysiert.
Bei 115 sogenannten „Beziehungstaten“ sind 67 Tote und 87 Verletzte zu beklagen. Es entstand ein erheblicher, auf mindestens 100.000.- € bezifferter Sachschaden.

85 Taten ereigneten sich im familiären Umfeld, 69 davon gegen die Partnerin (gegen den Partner). In 109 Fällen wurden Menschen getötet oder verletzt. In mindestens 9 Fällen waren Behörden bereits im Vorfeld involviert. Bei in etwa der Hälfte der Fälle wird berichtet, dass diese Beziehungen durch teilweise lang anhaltende Streitigkeiten, Eifersucht, eine Trennung, den bevorstehenden oder bereits erfolgten Auszug eines Partners erheblich belastet waren. Das darf auch für weitere Fälle angenommen werden, selbst wenn in der Recherche keine konkreten Belege gefunden wurden.
 
 
Eine Vergleichszahl für das 1. Halbjahr 2019 aus dem Spektrum des Terrorismus/Extremismus:
In diesem Zeitraum gab es in Deutschland keinen Anschlag. Die Gefahr, in Deutschland Opfer einer Beziehungstat zu werden ist auch in diesem Beobachtungszeitraum ungleich größer.
 
 
Eine detaillierte Betrachtung der Fälle im gesamten bisherigen Beobachtungszeitraum (01.07.2016 – 30.06.2019) zeigt, dass die insgesamt 516 Fälle in folgendem Umfeld stattfanden:

  • 422 Familie
  • 49 Nachbarschaft / Mietverhältnis
  • 29 Beruf / Geschäft
  • 16 Schule

Davon wurden 270 Taten von Männern gegen Frauen begangen und 45 Taten von Frauen gegen Männer.
 
 
Folgende Mittel wurden nachweislich zur Tatbegehung eingesetzt:

  • in 260 Fällen: Messer / Degen / Axt
  • in 46 Fällen: Schusswaffen
  • in 28 Fällen: Werkzeuge wie Hammer / Brechstange, Baseballschläger
  • in 74 Fällen: Reine körperliche Gewalt
  • in 24 Fällen: Säuren / Benzin / Gas / Wasser
  • in 7 Fällen: Auto als Waffe
  • in 9 Fällen: Medikamente / Gift / Drogen
  • in 6 Fällen: Brandstiftung

 
Schlussfolgerung:
Zusätzlich zu den Folgerungen in der letzten Ausgabe zeigt sich, dass die meisten Beziehungstaten im häuslich privaten Umfeld ereignen. Hier wiederum stehen Taten von Männern gegen Frauen klar im Vordergrund. Als Tatwaffe wird in der Hälfte der Fälle ein Messer oder ähnliches (Degen, Schere, Axt, Schraubendreher) eingesetzt. Schusswaffen nehmen mit weniger als 10% einen eher geringen Teil ein. Das ist sicherlich eine wichtige Information bei der Fallanalyse durch Bedrohungsmanagement-Experten.
Wie prognostiziert haben sich diese Zahlen auch in dieser Aus-wertung weiter verfestigt.

Es wäre wünschenswert, dass das Thema Bedrohungsmanagement und die damit verbundenen Möglichkeiten, schwere Gewalttaten zu verhindern mehr in den öffentlichen Focus gerückt wird.

Diese Auswertung wird in den nächsten Ausgaben jeweils für einen Halbjahreszeitraum fortgeführt.
 
 
Datenmaterial:
Beobachtungszeitraum: 1. Halbjahr 2019 (Entscheidend ist das Tat-Datum)
 
 
Relevante Fälle:

  • Es wurden Fälle betrachtet, in denen die handelnden Personen in einer Beziehung zueinanderstanden. (z.B. familiär, partnerschaftlich, geschäftlich)
  • Fälle von Gewalt gegen Polizei, Rettungs- oder Ordnungskräfte wurden nicht betrachtet, sofern sich die Gewalt nicht gegen die Personen, sondern gegen die Funktion richtete.
  • Fälle, die ausschließlich durch Bereicherungsabsichten oder von Substanzmissbrauch motiviert waren wurden ebenfalls nicht betrachtet.

Anzahl relevanter Taten im Beobachtungszeitraum: 115

Die Auswertung betrachtet gezeigtes Verhalten im Vorfeld, das Anlass zur Sorge gibt, z. B. substanzielle Drohungen, Aussagen über die Dauer der Belastung in einer Beziehung und die Frage, ob bereits Dritte (Angehörige, Behörden, …) informiert waren.
 
 


Quellen:
1) Polizeiberichte aus den Bundesländern auf der Startseite t-online.de, ausschließlich nationale Fälle
2) Wikipedia – Liste von Terroranschlägen