Buch: Felder

„Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Kunst und Kultur stehen für Kontinuität und bieten Möglichkeiten dauerhafte Werte für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft zu schaffen. Aus diesem Grund unterstützen wir Kunstprojekte, die sich kritisch mit zeitgenössischen Themen auseinander setzen.“ Uwe Gerstenberg Geschäftsführender Gesellschafter der consulting plus Holding GmbH

Autor: Stephan Kaluza
Gebundene Ausgabe: 108 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Verlag: Dumont Verlag, Köln 2011
ISBN: 978-3-7425-0150-9

Bekannt wurde Stephan Kaluza vor vier, fünf Jahren mit dem „Rheinprojekt“, für das er den Fluss von der Quelle bis zur Mündung abgegangen ist. Zehntausende Aufnahmen machte er im Laufe seiner monatelangen Wanderung und fügte sie später am Computer zu einem Panorama zusammen, das in seiner Gesamtheit bei einer Höhe von nur zwanzig Zentimetern fünf Kilometer lang sein würde. Anschließend vermaß er die Themse, dann den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer, womit er zum ersten Mal etwas dokumentierte, das es genau genommen nicht mehr gab – und nun eben Schlachtfelder.

Für die Serie wählte er Plätze aus, an denen die Weltgeschichte eine Wendung nahm oder aber Millionen Soldaten ums Leben kamen, ohne dass sich am Verlauf des Kriegs irgendetwas geändert hätte. Die Namen sind bis heute präsent, auch wenn die Orte selbst mitunter kaum noch jemand kennt und Kaluza die Lage manches Schlachtfelds sogar umständlich suchen musste. Nicht überall stehen Gedenktafeln oder Mahnmale, Heldendenkmäler oder gar einzelne Stelen, mit denen man die Punkte markiert hat, an denen berühmte Feldherren gefallen sind. An der Meerenge von Salamis musste Kaluza über Müllberge steigen, an der Somme wachsen Bäume, wo freies Feld gewesen ist. Aber meistens fand er sich in der Topographie weiter Ebenen wieder. Es braucht viel Platz, um Heerscharen aufeinanderjagen zu können. So schafft sich der Krieg durch die vorgegebenen Ansprüche an den Ort der Schlacht seine eigene Landschaftsästhetik.

Kaluza war es weder darum zu tun, dem Krieg ein Moment von Pathos anzudichten, noch wollte er das Elend der Schlacht kommentieren. Er lief die Felder einfach nur ab und dokumentierte sie im Laufe von Stunden und Tagen – wie schon die beiden Flüsse – Meter für Meter, um die einzelnen Aufnahmen anschließend zu nahtlosen, museumssaallangen Friesen aneinanderzufügen. Was kann der Boden dafür, scheinen sie in ihrer nüchternen Art der Wiedergabe zu sagen, dass er mit Blut getränkt ist. Und doch stellen Namen wie Somme, Verdun oder Omaha Beach augenblicklich die Frage, ob dort jemals wieder Normalität herrschen könne.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2011, Nr. 203 / Seite R6

Ganzen Artikel lesen